23. Januar 2026
Wenn ein Bestatter entspannt im gelben Hoodie und in legerer Hose in die Schule kommt, sollte man zunächst kaum glauben, dass er einen der ernstesten aber auch vielseitigsten Berufe ausübt, die es in der Arbeitswelt gibt: „Ich bin locker gekleidet, damit ihr seht, dass ein Bestatter nicht nur ein finsterer Mensch ist. Der Tod erschrickt mich nicht, manchmal ist er sogar eine Erlösung!“.
Andreas Froschauer ist Bestatter aus Berufung, war lange Zeit Inhaber und Leiter des Bestattungsunternehmens Froschauer in Dielheim, das er mittlerweile an seinen jüngeren Nachfolger übergeben hat. Zum wiederholten Mal stand er im Ethikunterricht in Klasse 10 im Mittelpunkt des Geschehens, wo die Schülerinnen und Schüler eine Stunde lang spannende Fragen stellen konnten und Froschauer viele Geschichten aus seiner langjährigen Berufserfahrung zu erzählen wusste.
Endlichkeit, Sterben und Tod ist eines der spannenden Themen im Ethikunterricht der Abschlussklassen und so war es kein Zufall, dass es im Rahmen des Besuchs im wahrsten Sinne des Wortes zeitweise totenstill war, dass aber auch immer wieder besondere Erzählungen die Jugendlichen zum Staunen, aber auch zum Schmunzeln brachten. Froschauer versteckte sich nicht, nahm wie gewohnt kein Blatt vor den Mund und reagierte auf sehr direkte Fragen mit teils noch direkteren Antworten.
Es ging um den Arbeitsalltag eines Bestatters, die Kosten einer Beerdigung, Bestattungsformen in den verschiedenen Religionen aber auch den Aktionsradius, in dem ein Bestattungsunternehmen aktiv ist. Vor allem die ersten Minuten und Stunden nach dem Tod eines Menschen weckten das Interesse der Ethikgruppe: „Zeit für den Toten und die Angehörigen ist ein wichtiger Punkt. Da machst du im Monat sieben, auch mal zehn Bestattungen – mehr nicht, wenn du es wirklich gut machen willst und den Angehörigen gerecht werden möchtest!“ erklärte Froschauer auf die Frage nach seinem Arbeitspensum. Viel Arbeit falle zuhause an, viele Telefonate, viel Papierarbeit sei zu erledigen, so der Gast weiter. „Ich bin auch sehr unkommerziell eingestellt. Ich muss keine Kleider für die Toten verkaufen, wenn die Familie selbst welche hat. Bei mir wird auch nicht an den Kleidern, die der Leichnam am Ende trägt, rumgeschnippelt. Aus Respekt vor dem Toten und den Angehörigen.“
Experten im Unterricht bereichern das Schulleben in den verschiedensten Fächern. Am Ende versuchte Froschauer auch im Hinblick auf die Berufsorientierung die Schülerinnen und Schüler für ein Praktikum als Bestatter zu gewinnen. Zugesagt hat erst einmal niemand – noch nicht, denn auch Froschauer lernte den Beruf als seinen „zweiten Beruf“ durch einen Bekannten kennen. „Die wichtigste Kompetenz, die ein Bestatter mitbringen muss, ist bei aller Bereitschaft zur Flexibilität die Empathiefähigkeit“, waren sich Bestatter, Lehrer und die gesamte Gruppe am Ende einig. Und es dürfte selten sein, dass ein Bestatter für seine Arbeit kräftigen Applaus bekommt - nach dieser Stunde war es der Fall. Nach einer Stunde, die den Lernenden sicher als eine ganz besondere in Erinnerung bleiben wird.
Rüdiger Kamuf
Ethiklehrer Klasse 10ab
